31.05.2012, BZ: Kein Gefängnis für Flüchtlinge am neuen Flughafen BER!

Die Party fällt aus. Die Eröffnung des Willy-Brandt-Flughafens ist geplatzt.

Die Völker der Welt schauen auf diese Stadt und lästern: Da will man den modernsten Flughafen der Welt bauen – und bringt ihn nicht in Gang. Die Presse hat Berlin mit Hohn und Spott überzogen. „Da sieht man’s mal wieder: Die Deutschen, die so stolz sind auf ihre Mischung aus Pünktlichkeit und Gründlichkeit, schaffen auch nicht alles, was sie sich vorgenommen haben.“ („Tages-Anzeiger“, Schweiz, 13.5.2012)Keine Frage, die Verschiebung des Eröffnungstermins ist ärgerlich, und sie ist kostspielig. Doch eine Katastrophe ist es nun wirklich nicht, jedenfalls nicht für die Stadt: Kein Flugzeug ist abgestürzt, keine Halle eingestürzt. Es hat keinen Großbrand gegeben und auch keinen Anschlag – Gott sei Dank. Das Ziehen der Notbremse, so bitter das ist, zeugt von Verantwortungsbewusstsein. Erst wenn alle Räder ineinandergreifen, darf der erste Flieger zum Start rollen. Seien wir doch ehrlich: Wer ein Haus oder auch nur eine Datsche gebaut hat, weiß: Zeit- und Kostenpläne werden selten eingehalten. Selbst dem größten Perfektionisten kommt irgendwas dazwischen. Die Erfahrung, dass bei einem Mammutprojekt wie einem Flughafen keine „Punktlandung“ erreicht wird, ist weder neu noch auf Berlin beschränkt.Auch das Scheitern gehört zu einer „Großbaustelle der Moderne“. Also Schluss mit der Häme. Machen wir das Beste aus der Situation. Freuen würde ich mich, wenn die aufgeschobene Eröffnung dazu führt, die Pläne für den Bau einer Hafteinrichtung für Flüchtlinge in Schönefeld zu überdenken. Ein Flughafen, an dem Asylsuchende in einem Schnellverfahren abgespeist werden, käme dem Ruf Berlins als einer weltoffenen Stadt wirklich nicht zugute.

Diesen Text schrieb der katholische Erzbischof von Berlin, Rainer Maria Kardinal Woelki

QUELLE: http://www.bz-berlin.de/archiv/kein-gefaengnis-fuer-fluechtlinge-am-neuen-flughafen-ber-article1470651.html